
Der 3. Juli 2026 war seit langem wieder ein sehr guter Tag zum Segelfliegen. Schon zwei Tage zuvor hatten die Vorhersagen ungewöhnlich gutes Segelflugwetter angekündigt. Für einige unserer Mitglieder war deshalb klar: Wir müssen in die Luft und das Wetter nutzen.
Und es hat sich gelohnt: Von vier Piloten, die bei uns gestartet sind, ist Klaus Rademacher mit seiner LS6 mit Abstand die weiteste Strecke geflogen. Schon direkt nach dem Windenstart fand er einen Aufwind, der ihn auf rund 1.000 Meter Höhe trug – der Start in einen langen Flugtag, der ihn viel weiter führen sollte, als er selbst erwartet hatte.
Über das Sauerland bis vor die tschechische Grenze
Die LS6 mit 18 Metern Spannweite ist für den Streckenflug gebaut: Aus einem Kilometer Höhe gleitet der Flieger rund 50 Kilometer weit. Diese Eigenschaft nutzte Rademacher, um zügig Richtung Sauerland zu fliegen. Über Remscheid und Radevormwald ging es nach Plettenberg, dann führte die Route Richtung Südosten.
Anders als viele vermuten, ist für solche Flüge bei uns nicht der Wind entscheidend. Im Gegenteil: Wir Segelflieger sind auf Sonneneinstrahlung angewiesen, zu viel Wind ist den Aufwinden eher abträglich. Die Sonne erwärmt den Boden, wodurch sich sogenannte Thermikblasen bilden. Diese steigen – ähnlich wie Luftblasen in einem Topf mit kochendem Wasser – nach oben und ermöglichen es uns, auch ohne Motor immer weiter an Höhe zu gewinnen und große Distanzen zurückzulegen. Genau diese Thermikblasen suchte Rademacher auf seinem Weg, Wolke für Wolke, Aufwind für Aufwind.

Trotz moderner Apps und immer genauerer Wettervorhersagen bleibt bei uns ein solides Verständnis für Meteorologie ein entscheidender Vorteil. Wer Streckenflüge wie diese plant, verlässt sich nicht nur auf Zahlen und Karten, sondern beobachtet Entwicklungen am Himmel und interpretiert sie richtig.
Viele unserer erfahrenen Segelflieger gelten deshalb auch als kleine Hobby-Meteorologen: Sie erkennen, wann die Thermik wirklich trägt, wie sich Wolken entwickeln und an welchen Stellen die Luft „arbeitet” – oft genauer als jede Prognose. So gelang es Rademacher, über Marburg und Suhl in Thüringen bis nach Kulmbach zu segeln. Von dort aus liegt die tschechische Grenze nur noch 60 Kilometer entfernt.
Aber als Segelflieger müssen wir immer auch an den Rückweg denken, und so machte sich Rademacher kurz nach 15 Uhr wieder auf den Heimflug. Die direkte Distanz zurück nach Bergheim beträgt 350 Kilometer, tatsächlich mussten aber mehr als 400 Kilometer zurückgelegt werden, da die Lufträume rund um den Flughafen Köln/Bonn den direkten Rückflug unmöglich machen.
Spannender Moment über Langenfeld
Kurz vor dem Ziel, auf der anderen Rheinseite bei Langenfeld, schien die Reise fast zu Ende: Mit nur noch 400 Metern über Grund und nach 30 Kilometern ohne Aufwind stand eine Landung auf dem dortigen Segelflugplatz kurz bevor. Die Zeit wurde knapp, die Höhe schmolz weiter – doch buchstäblich in letzter Minute fand sich noch ein Aufwind. Mit diesem schraubt Klaus sich ein letztes Mal auf über 1.000 Meter Höhe – genug für den Endanflug zu uns nach Bergheim. Um 20:48 Uhr setzte er nach rund neuneinhalb Stunden in der Luft auf unserer heimischen Landebahn auf. 767 Kilometer lagen hinter ihm, getragen allein von Sonne, Wolken und den Tragflächen seiner LS6.

„Ich habe schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber in Langenfeld konnte ich mich noch mal rausbasteln. Sonst hätte ich dort landen und das Flugzeug im Hänger nach Hause transportieren müssen. Es war ein toller Flug, ich hätte beim Start nie gedacht, dass es heute für mich bis nach Bayern hineingeht”, so Rademacher.
Für unseren erfahrenen Streckenflieger bleibt so ein Flug etwas Besonderes: „Die Wetterlagen geben nicht oft solche Flüge her. Umso schöner, wenn man an so einem Tag die Zeit hat, das auch auszunutzen.”
